dancing on the borderline

 

Ein Teil von mir heult innerlich nach diesem langen Abend aus Vortrag, Lehrstück, Produktpräsentationen und persönlichen Gesprächen.

"Man braucht nur verzweifelt genug sein, dann versucht man alles."

Das sagte ich. Und es stimmt einfach nur. Ein Teil heult innerlich und ein anderer Teil lacht innerlich - lacht, weil er es nicht glauben kann, ganz gleich wieviele Menschen von dies oder jenem wieder gesund wurden oder bei der Gesundung selbst dadurch unterstützt wurden. Ich glaube, man müsste mir Studien vorlegen, damit ich das ganze besser glauben kann. Oder ich müsste es selbst testen, das eine oder das andere. Eine Wirkung könnte ich nach Tagen haben oder erst nach Wochen, ich weiß nicht mehr genau was sich auf was bezog.

 

Ich bin definitiv mit 24 und meinem Körper verzweifelt genug um auch Dinge auszuprobieren, die mir irgendwie nicht ganz koscher sind. Was wäre es schön zu wissen, dass es die ganzen Schmerzen lindert. Was wäre es schön, wenn ich dadurch weniger Infektionen bekäme. Was wäre es schön, wenn es mein Blutbild verbessert. Und, oh mein Gott, für das "zermatschte" Ellenbogengelenk soll es auch etwas bringen. Und - das echt härteste - die Depression. Ein übersäuerter Körper begünstigt das also bzw wurde bei depressiven Patienten "immer" eine Übersäuerung festgestellt.

Ich war fassungslos, denn das war ein Aspekt, den ich noch nicht kannte obwohl ich mich seit langer Zeit sehr eingehend damit beschäftige. Und siehe da: Man findet in den weiten des www wirklich Informationen dazu.

Naja, da kann ich erst mal sparen bzw vielleicht im nächsten Monat sehen, ob ich irgendetwas davon beginnen kann auszuprobieren. Vermutlich wird es an der finanziellen Situation hapern, aber vielleicht später dann. Wie gesagt, ich würde mittlerweile so ziemlich alles versuchen in der Hoffnung, mir dadurch helfen zu können... .

1.4.14 00:16, kommentieren

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dancing on the borderline

 

Mir ist bloß nochmal bewusster geworden, warum ich auf kleine Veränderungen im Alltag, im Verhalten von Menschen, vor allem in einer Beziehung, so drastisch-empfindsam reagiere.

Ich meine, zu Hause war ja auch nichts beständig. Ich wusste nie, was mich erwarten würde, wenn ich die Tür aufschloss. Das war kein geschützter Ort. Nicht so, wie ein zu Hause sein sollte. Im Gegenteil, es war der ungeschützteste, unsicherste und destruktivste Ort, den es gab. Und ich musste immer wieder an ihn zurück, jeden Tag.

Davon abgesehen war ich ja auch nicht wichtig. Der Alkohol war ja wichtiger. Und wer nicht wichtig ist für jemanden, wird schnell verlassen. Wer nicht liebenswert ist, muss damit rechnen, bald wieder allein zu sein.

Alkoholkranke Eltern lieb zu haben ist wie die eine Hand auszustrecken und gleichzeitig den anderen Arm schützend vor das Gesicht zu halten. Es war SEHR wichtig, immer sofort zu bemerken und zu spüren, wenn sich etwas veränderte. Denn das bedeutete NIE etwas Gutes. Und genau das ist bei mir ein Beispiel für die in der Therapie genannten "Überlebensstrategien", die mal gut waren und erprobt und funktionierend, aber heute nicht mehr passen.

Ich musste doch ständig eine Art "Gerät" mit mir herumtragen, das permanent alles sondiert hat. Ich musste mich doch schützen. Ich musste doch auf mich aufpassen. Ich hatte doch niemanden! Und genau deshalb empfinde ich heute Kleinigkeiten als derart verheerend... .

Ich dachte immer, am meisten hätte das mit einer vergangenen Beziehung zu tun gehabt, denn damals bedeutete Veränderung immer "off". Aber das geht alles viel weiter, fing schon viel früher an.

 Du lernst ja irgendwie, dass... dass deine eigene Sicherheit davon abhängt, dass du die Umwelt richtig einschätzt.

Ich muss immer noch das Gefühl haben, die Fäden in der Hand zu haben. Weil ich nicht mehr ausgeliefert sein will, so wie früher. Und wenn ich sie nicht mehr in der Hand habe, Kontrolle abgebe, fühle ich mich wieder so.

 

Wachsam alles unter Kontrolle zu haben, war die einzig sichere Variante im Umgang mit anderen Menschen.

27.3.14 20:01, kommentieren

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dancing on the borderline

 

"Ich dachte, es wäre gar nicht so schlimm, weil ich es doch noch immer aushalten konnte."

 

Das ist ein Satz, der sich defintiv schon ganz lange durch mein gesamtes Leben zieht. Ich dachte, die Schmerzen wären nicht so schlimm, weil ich sie doch noch immer aushalten konnte. Ich dachte, es sei gar nicht alles so streng, weil ich es doch noch immer aushalten konnte. Ich dachte, zu Hause sei es gar nicht so schlimm, weil ich es doch noch immer aushalten konnte. Ich dachte, die Gewalt gegen mich sei gar nicht so schlimm, weil ich sie doch noch immer aushalten konnte. Ich dachte, diese und jene Beziehung seien gar nicht so schlimm, weil ich sie doch noch immer aushalten konnte.

26.3.14 17:02, kommentieren

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tourner la page

 

Weil es dich interessiert, was ich zu sagen habe. Weil du mich danach fragst. Weil du mir zuhörst. Weil wir zusammen nach Lösungen suchen, damit es dem einen oder auch uns beiden besser geht. Weil wir zusammenhalten. Weil die Liebe uns zu dem Team gemacht hat, das wir immer sein wollten.

24.3.14 20:39, kommentieren

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Momentaufnahmen

 

"Ich lass für dich das Licht an, obwohl's mir zu hell ist

Ich hör' mit dir die Platten, die ich nicht mag

Ich bin für dich leise, wenn du zu laut bist

Renn' für dich zum Kiosk, ob Nacht oder Tag

 

Ich lass für dich das Licht an, obwohl's mir zu hell ist

Ich schaue mir Bands an, die ich nicht mag

Ich gehe mit dir in die schlimmsten Schnulzen

Ist mir alles egal, Hauptsache du bist da"

 

- Revolverheld, "Ich lass für dich das Licht an"

22.3.14 19:24, kommentieren

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citations

 

"Wenn man einem anderen Menschen eine Chance gibt, gibt man auch sich selbst eine Chance."

19.3.14 21:33, kommentieren

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Momentaufnahmen

 

Ich schaue ihn entgeistert, belustigt und traurig zugleich an: "Nein, wirklich. Heute ist alles besser als damals. Mein heutiges Leben tausche ich für das damalige sicher nicht mehr ein. Da müsste ich... Da wäre ich so verrückt, dass ich auf Lebzeiten ein Klinikbett beziehen kann."

Es ist so gut, das realisieren zu können. Ein anderes Leben, heute. Ein neues Leben, heute. Ein besseres, glücklicheres Leben, heute.

*****

Damit hatte er nicht nur den berühmten Vogel abgeschossen, sondern gleich einen ganzen Schwarm. Er stand da in Winterjacke, den Rucksack auf dem Rücken und hielt mir schüchtern sein selbst zusammengestelltes Geschenk hin. In seinen Augen stand: "Oh bitte, hoffentlich gefällt es ihr."

Da dieses Geschenk die "große Überraschung" gewissermaßen repräsentieren sollte, die er seit dem negativen Wochenende in Bearbeitung hat, erzählte er mir von eben jener. Glücklicherweise bestand ich im Vorhinein schon darauf mich dafür hinzusetzen. So saßen wir auf meinem Bett und über mein Gesicht huschte eine Abfolge von Gefühlen - Entsetzen, Belustigung, Traurigkeit, Freude... Und Liebe.

Ich konnte ihn teilweise nicht mehr anschauen, wollte verschwinden, wollte über ihn her fallen - alles. In dem Moment war so viel innerlich los. Ich grabschte nach meinem Kopfkissen und drückte es fest an mich, vergrub manchmal das Gesicht darin. Keine Ahnung, wie ich es am Ende geschafft habe nicht zu heulen.

Er möchte also eine Blume (eine 'Wüstenblume') mit Glycerin konservieren. In der Apotheke sahen sie ihn misstrauisch an, bis er erklärte, was er damit vorhabe - und die Apothekerin schmachtete "Ach, wie romantisch!" und der Apotheker daneben grinste nur nickend. Wenn diese Blume also konserviert ist, soll sie in ein luftdichtes Behältnis kommen, das mit einem speziellen Gel gefüllt ist.

"Das soll dir zeigen, wie ernst es mir mit dir und uns ist und wie sehr es mir Leid tut, was passiert ist. Ich will, dass du dich sicher fühlen kannst. Und das mit uns soll erst dann enden, wenn diese Blume anfängt zu welken."

 

Dann erst soll es vorbei sein. Wenn eine unwelkbare Blume beginnt zu welken.

 

18.2.14 20:29, kommentieren

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dancing on the borderline


Weil ich also unbeabsichtigt genau die Worte an ihn schickte, die ich vorher an Stefanie geschrieben hatte, befand ich mich einige Zeit später in einem Telefonat von dem ca 45 Minuten nur auf dem einen Satz beruhten: "Und ehrlich gesagt hätte ich viel lieber noch weniger an mir dran."

Okay. Ich habe weder laut losgeheult noch habe ich ihn aggressiv behandelt. Ich habe es geschafft einigermaßen ehrlich und offen darüber zu sprechen. Gelogen habe ich nicht. Lediglich einiges von allem erwähnt. Aber eben nicht alles. Entweder wollte ich ihm das nicht antun oder ich wollte es selbst nicht hören. Ich finde das allerdings auch ziemlich hinfällig, da ich sogar Hinweise gab, woran man sehen könnte, dass es sich verschlechtert. Dabei wollte ich mir auch ständig auf die Zunge beißen. Zum Teil habe ich's getan, zum Teil nicht.

Ich notiere etwas, das ich ihm bereits sagte. Ich bin einmal jemandem "unter der Hand verschwunden". Irritation, Traurigkeit aber vor allem Aggression waren die Folgen davon. Damals war mir das fast komplett egal. Es war mein Ding, meine Sache, das einzige, in das sich niemand einzumischen hatte. Das einzige, das irgendwie noch mir gehörte und das ich unantastbar vor allem und jedem mit mir herumtragen konnte. Es gab mir das Gefühl eine (allumfassende) Kontrolle zu haben. Nach der Oktobernacht war es bei meinen Voraussetzungen und Vorerfahrungen fast schon logisch so etwas zu entwickeln.

Ich habe noch eben so die Kurve gekratzt. Glaube ich. Warum? Weil ich nicht krank aussehe. Und weil ich nicht mehr körperlich krank bin. Aber: Was ist mit dem Fast-Umkippen von letzter Woche? Was ist mit meinen splittrigen Fingernägeln? Mit dem Muskelzittern (Magnesium schlug nicht an)? Dem Herzrasen (sofern das nicht alles zur Angst gehört)? Was ist mit den aufgerissenen Mundwinkeln von denen einer sechs Wochen zur Heilung benötigt hat? Was ist mit der - noch immer - ausbleibenden Blutung?

Ich empfinde mich nicht als krank, vor allem nicht als so aussehend. Ich finde auch, dass ich weit mehr als genug esse. Wobei die meisten anderen Menschen diese Meinung nicht teilen.

Was mir vergangenen Sommer half, war ganz einfach er. Ich fing automatisch an hin und wieder etwas mehr zu essen, weil ich mich psychisch hin und wieder stabilisierte und auch stabiler fühlte. Und ihm will ich nicht unter seiner Hand verschwinden. Vor allem, weil ich ihm das nicht antun will. Er verdient es nicht. Er verdient es nicht wegen so etwas in Sorge zu sein, Angst zu haben, ohnmächtig zu werden, mir nicht (mehr) helfen zu können.

Diejenige, die ihn anmeckert, wenn wir zu wenig gegessen haben oder nichts mehr zu Abend essen, diejenige, die an einem Abend nach Hause gefahren ist nur um noch etwas zu essen - die gleiche ist auch die, die die allermeiste Zeit wirklich glaubt verdammt nochmal hervorragend mit 500kcal am Tag auszukommen.

Es gibt dieses eine Bikinibild aus jenem Jahr, in dem ich so viel mehr wog als jetzt. Das jetzige Gewicht habe ich schon, ich würde annehmen seit ca April/Mai letzten Jahres. Genau kann ich das natürlich nicht sagen, weil ich Angst habe mich auf eine Waage zu stellen. Gestern studierte ich es wieder eingehend. Und damals wie jetzt überkam mich nur ein Gefühl, dessen Bestimmung mir zur Abwechslung mal gar nicht schwer fiel: Ekel. Nur war der Ekel damals nicht so erheblich wie heute. In Erinnerung an eine therapeutische Methode den Erkrankten Bilder verschiedener "Stadien" vorzulegen, teilweise auch von sich selbst, um herauszufinden ob sie überhaupt einen Unterschied sehen können (auch das erzählte ich ihm - dass ich Monate lang gar keine Veränderung im Spiegel feststellen konnte). Also versuchte ich ein fast gleiches Bild von mir jetzt zu machen. Ich legte mich in etwa so hin und passte in etwa den Winkel ab. Das Ergebnis war zweischneidig: Ich sah und sehe auch heute noch einen deutlichen Unterschied. Ich denke, dass das auch beständig bleiben wird. Was sich allerdings zwischen gestern und heute schon mehrmals geändert hat, sind die Gedanken in Bezug auf das aktuelle Bild: "Oh mein Gott, das ist... Du solltest wirklich nicht... weiter runter gehen mit dem Gewicht" und "Hm. Ein bisschen weniger ist schon noch drin. Das würde schöner aussehen". Diese einander absolut entgegengesetzten Gedanken versuchen sich gegenseitig in Grund und Boden zu kreischen. Derweil wird mir schwindlig.

Die beiden Menschen, die mir am meisten am Herzen liegen, benutzten die gleichen Worte: Der Grad, auf dem ich wandle, ist sehr sehr schmal. "Nach unten abkippen geht gar nicht", sagen sie beide.

Was mich außerordentlich mitnahm, waren einige seiner Worte. Deshalb kritzelte ich sie auch während er sprach auf meine Schreibtischunterlage. Er wisse nicht, ob er mich dann überhaupt noch erreichen könne, geschweige denn mir gescheit helfen. Ob er mir dann noch die Hand geben könnte, um mich hinauszuziehen, weil er nicht mehr weiß wie. Dass er davor große Angst habe. Ein weiterer Aspekt war meine Optik, die ihm dann vermutlich nicht mehr so extrem gefallen würde, wie sie es heute tut. Ich verstehe: Ich befinde mich auf seiner persönlichen untersten Grenze. Und er möchte seine wunderschöne Jasmin behalten und weiter mit ihr angeben und andere Männer eifersüchtig machen. An dem Punkt wollte ich wirklich nur noch los heulen.

Die Frage des Tages ist auch heute wieder: Esse ich überhaupt etwas zu Abend? Falls ja - was? Was ist "in Ordnung"? Was erlaube ich mir? Muss ich morgen essen (weil Gesellschaft da ist oder man Essen geht mit anderen) und wenn ja, muss ich das dann nicht heute mit Nicht-Essen kompensieren? Wie sehr möchte ich gerade einfach nur noch weniger an mir dran haben? All das ist katastrophal schwierig zu beantworten. Gestern habe ich nach dem Telefonat noch etwas gegessen, weil ich der Situation aus dem Weg gehen wollte, in der er mich fragen könnte, ob und was ich noch gegessen hätte. Ich wollte ihn nicht anlügen müssen. Obwohl mir doch die Lügen in dem Thema so leicht über die Lippen kommen. Er sagte, das würde davon zeugen, dass ich mich auch selbst nicht belügen möchte. Allerdings verstehe ich das inhaltlich überhaupt nicht, egal wie lange ich darüber nachdenke.

16.1.14 19:39, kommentieren

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citations

 

"Du bist mir eine sooo wertvolle Freundin... die beste...

Du hast etwas für mich getan, du hilfst mir ganz oft...

Ich vertraue dir sehr.

Du bist sehr toll und ich hab dich sehr, sehr lieb."

 

Omg, Stefanie. Das ist als Screenshot in meinen Fotos gespeichert.

 

*****

 

"FEAR stands for False Evidence Appearing Real."

 

- Stephen King, Der Anschlag

(urspr. aus dem AA-Programm)

 

5.1.14 21:50, kommentieren

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Momentaufnahmen

 

Weihnachten. Du liest deinen Brief. Ich schaue über deine Schulter, mir kommen schon wieder die Tränen über meine eigenen Worte. Ich setze mich auf das Sofa. Du kommst, berührst meine Schulter. "Und, was meinst du, hast du die Liebe gefunden?" Dein Lächeln überstrahlte alle Zimmerbeleuchtung.

*****

Weihnachten. Ich sehe das Geschenk, das du mir schenken wolltest (und mittlerweile tatsächlich geschenkt hast) - und konnte es nicht glauben. Nicht glauben, was es ist, nicht glauben, dass es nach dieser Zeit kommt, nicht glauben was du ausgesucht hattest und wie unheimlich passend du meinen Geschmack und Stil eingeordnet hast. Wie ich bereits sagte: Das war das schönste Geschenk des ganzen Jahres.

*****

Silvester. Wie in einem Traum, wie in einem Bilderbuch. Eng aneinandergedrückt, mein Arm in deinem verschränkt, dann dein Arm um meine Schultern. Mit glühenden Augen schaust du mich an. "Ich weiß, ich auch", sage ich. Still betrachteten wir das Feuerwerk um uns herum. Es fühlte sich an als stünden wir fernab der Menschen und der Geräusche in unserer eigenen kleinen Seifenblase.

Eine Weile später gestehst du mir, wie oft du in dem Geschäft warst um es auszusuchen. Mein Gott.

Und 70 Jahre... Das wünschst du dir. Mein Gott die Zweite. Einmal im Leben habe ich so viel Glück gehabt, ich weiß gar nicht wohin damit. Und in diesem Moment wäre ich dir gern um den Hals gefallen und hätte geweint. Vor Freude, Liebe, Angst und Unsicherheit.

*****

Gestern Abend in meinem Bett war der Moment an dem ich deine Frage von Weihachten wirklich beantworten konnte. Sie ist schlicht und ohne viel Schnörkel: "Ja, das habe ich."

5.1.14 21:39, kommentieren

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citations

 

"FEAR stands for Face Everything and Recover."

 

- Stephen King, Doctor Sleep

(urspr. aus dem AA-Programm)

19.12.13 20:20, kommentieren

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Momentaufnahmen

 

Ich war nervös, als ich im Halbdunkel im Auto saß und wartete. Das lag an diesen Umständen, aber auch daran, was mich wohl erwartete... . "Ich habe mich extra zurück gehalten! Ja, weil ich das so wollte und auch wegen dir... ." Das ehrt dich. Ich hatte trotzdem, ja... Angst. Ich habe jetzt Tage damit zugebracht mich zu fragen, welches Gefühl das war (vielleicht habe ich auch nur versucht es nicht wahr haben zu wollen). Du wusstest es schon an dem Abend, als wir in deinem Zimmer waren. Nuschelnd sagtest du: "Jasmin, ich bin dein Freund. Und ich sehe, wenn du Angst hast. Wer wäre ich denn, wenn ich das nicht bemerken würde. Ich liebe dich aus ganzem Herzen."

Heute schäme ich mich, dass ich daraufhin los heulen oder dir eins auf die Nase geben wollte.

Jetzt fällt mir erst auf, dass du, wenn du so etwas noch zustande gebracht hast, gar nicht so betrunken hast sein können. Vielleicht nahm ich das alles durch meine persönliche Brille sehr viel schlimmer war, als es vielleicht den Tatsachen entsprach? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass dein vermeintliches Zurückhalten trotzdem nach hinten los ging. Am schlimmsten war dieses "irre" Lachen, das du auf der kurzen Fahrt zu dir drauf hattest. Der Impuls war da, die Tür aufzumachen und dich raus zu schubsen. Ebenfalls gab es den Impuls selbst auszusteigen. Nun, ich hab's nicht getan und bin später, auch wenn es erst sehr viel später war, friedlich in deinem Arm eingeschlafen. Das bedeutet, dass ich das alles wohl doch ganz gut auf die Reihe bekommen habe.

*****

Zum ersten mal in deinem Auto auf der Rückbank. Wie verliebte Teenager saßen und kuschelten wir die Zeit ab, die wir noch hatten bis wir wieder ins Kino rein mussten. Du schautest mich an, dein verträumter Blick. Tief und lang. Ich vergrub mein Gesicht in deinem Mantelkragen. Durch mein Haar flüsterst du, dass du mich liebst.

*****

Warme und flüssige Schokolade. Viel davon. Teile meines Kopfes verwandeln sich in ein Hamsterrad in dem sich der weltbeste und schnellste Hamster befindet, den es je gegeben hat. Es hat lange gedauert, bis ihm die Puste ausging.

*****

"Was hast du da? Du hast doch da irgendwas! Was hast du gemacht? Zeig." Überführt steckst du die Hand in die Manteltasche, hältst mir daraufhin einen Schoko-Weihnachtsmann vor die Nase. Schokolade soll ja beruhigen und ich hatte ja nicht so gute Tage und viel Stress und außerdem hab ich dann ja etwas von dir da. Verlegen grinsend stehst du da. Danke für diesen schönen Moment.

*****

Ich wollte sowieso gehen, weil mir nicht mehr viel Zeit blieb und ich noch einiges erledigen wollte. Weshalb ich dann aber letztlich abrupt ging, war die Tatsache meine Mutter mit ihrem Nacht-Atemgerät hantieren zu sehen, vor allem, als sie es auf dem Kopf hatte. ich konnte dieses Bild nicht länger ertragen.

18.12.13 13:43, kommentieren

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dancing on the borderline

 

"Vermutlich hat Sie das extra so eingefädelt, sodass du dich jetzt jede Woche direkt damit konfrontieren musst." Das glaube ich nicht. Und es ist auch unerheblich, weil die Situation eine Zumutung ist. Wenn hier eine eine angebliche Angst vor einem Hund hat, muss der arme Hund weg. Wenn eine dahin gesetzt wird, die schon physisch auf Leute los gegangen ist - dann muss ich weg? Kommt überhaupt nicht in Frage. Beschweren werde ich mich übernächste Woch dennoch. Weil es einfach nicht angehen kann. Normalerweise gehört so eine information schon zu denen, die man gefälligst für sich zu behalten hat, genau so wie man nicht detailliert darüber berichtet, wie man sich wann und wo verletzt hat und genau so wie man nicht im Detail über Suizidversuche, Suiziddrohungen oder sonstiges in der Richtung spricht.

Schade nur - wirklich, sehr sehr schade -, dass es niemandem sonst so erging wie mir.

Wenn eine ach so panische Angst vor Hunden hat und dann trotzdem im Raum bleibt, obwohl der Hund auch da geblieben ist, völlig normal war, mitgemacht hat und alles, dann musste der Hund weg. Wegen ihrer scheiß angeblichen Angst vor dem Hund, musste der arme Hund weg. In meinem Fall hat hier wirklich jemand Angst gehabt, man hat ihm das angesehen und er konnte nicht mehr mit machen... Und in dem Fall kommt der Hund nicht weg, weil er ein Mensch ist?

17.12.13 17:06, kommentieren

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dancing on the borderline


Was soll ich sagen?

Ich wollte immer "besser" sein als meine Eltern. Es "besser" haben. Vor allem "besser" als meine Mutter. Dieses Besser konnte ich lange Zeit nicht wirklich definieren, nur fühlen. Es hatte etwas zu tun mit dem emotionalen Zustand, den man hat, mit der psychischen Gesundheit. Es ging um Geld, Bildung und darum glücklich zu sein - vor allem in einer Beziehung.

Meine Eltern sind krank. Beide. Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass meine Mutter todkrank ist. Beide sind sie krank, schon viele Jahre. Sie haben sich nie helfen lassen, geschweige denn einander geholfen. Hier habe ich es besser: Ich war krank und habe mir helfen lassen. Ich bin krank und lasse mir helfen. Und nebenbei habe ich einen Menschen, der mich unterstützt.

Natürlich haben sie in gewissem Sinne mehr Geld, was am Alter und dem Verdienst liegt. Sie würden immer sagen, dass sie keines haben und noch immer verschuldet sind. Das mag sein. Ich würde auch immer sagen, dass ich keines habe und auch noch das Geld der Schule aus Mainz abbezahlen muss, sobald sich mein Anwalt mit den gegnerischen Anwälten auf einen Satz geeinigt hat. Dennoch habe ich so viel Geld, dass meine Kaninchen genug zu fressen haben (und zwar all die guten Frischen Dinge und teuren Kräuter) und ich sie zum Tierarzt bringen kann - selbst wenn es nur Routineuntersuchungen sind (Zähne, Krallen, Ohren). Ich habe genug zu essen. Das hätte ich auch, wenn ich "normal" und "ordentlich" essen würde. Ich habe ein Auto, ein tolles wahnsinnig schickes: Meinen Aygo auf den ich Monate gespart habe. Ein besserer Wagen als der meiner Eltern. Ich muss mir nicht groß Gedanken machen, wenn ich spontan, so wie heute, meinen Freund zur Berufsschule fahre und dann Heim obwohl das sehr viele extra Kilometer für meinen Tank sind. Ich kann meine Versicherung pünktlich zahlen. Auch kann ich die Selbstbeteiligung leisten, die die Rechtsschutzversicherung inkludiert. Ich konnte mir einen unheimlich teuren Daunenmantel kaufen - was ich aber eigentlich nur tat, weil ich ihn wirklich brauchte. Und diese kleine Swarovski-Kette, die mir schon so lange so sehr gefällt, die könnte ich mir theoretisch selbst zu Weihnachten schenken, sie ist nicht besonders teuer. Beziehungsweise sie mir einfach kaufen, weil sie mir schon seit Monaten im Kopf rumgeistert und ich einfach gern eine zum Wechseln hätte.

Darüber hinaus bin ich tatsächlich besser gebildet als meine Eltern, was die Schulbildung angeht. Davon abgesehen glänzt mein Vater mit einem unglaublichen Allgemeinwissen, das ich respektiere und achte. Meine Mutter hat eine unheimlich gute soziale Kompetenz. Das bringt einen oft weiter als vieles andere.

Aber um was es wirklich geht... Ich bin nicht Jahre lang, Jahrzehnte lang mit jemandem zusammen, den ich nicht mehr liebe. Ich unterstelle einfach mal, dass das der Fall ist und bin mir dabei sehr sicher. Lebe nicht mit jemandem unter einem Dach zusammen, der mir an Leib und Seele schadet. Ich werde nicht verbal, emotional, sozial und physisch misshandelt (nicht mehr). Natürlich habe ich es etwas leichter gehabt als meine Mutter: Ich wohnte nicht mit diesem Typen zusammen, hatte mit ihm keine Kinder. Aber ich bin so viel jünger bzw so viel jünger gewesen und ich war ganz auf mich allein gestellt. Und ich bin da raus gekommen. Wieviel Anteil mein heutiger Freund daran hat, weiß ich nicht genau. Vermutlich einen hohen Anteil. Dennoch: Raus wollen musste ich allein, die Schritte tun, das musste ich auch allein. Und ich habe es getan. Ich wollte es tun. Nicht nur, weil ich wusste, dass es mich längerfristig krank hält und nur noch kränker machen wird, sondern vor allem, weil ich nicht so werden wollte wie meine Eltern. Schon gar nicht wie meine Mutter. Weil ich es besser haben wollte.

Und das habe ich. Sehr viel besser. Und ich wünsche ihr, vor allem, weil ihr vielleicht nur noch wenig Zeit bleibt, dass sie da heraus kommen kann um die restliche Zeit glücklicher zu verbringen als die vorherige. Sie sprach gerade heute wieder davon sich demnächst, wenn er nicht da ist, um die Papiere der Wohnung zu kümmern. Ich hoffe, dass sie es tut. Ebenfalls sagte sie, sie müsse dringend ein Schreiben aufsetzen, das mich dazu berechtigt, was mit den Katzen passieren soll, falls sie mal nicht mehr da ist. Nicht ihn, ihren Ehemann, meinen Vater. Sondern mich, ihr einziges Kind. Weil sie mir mehr vertraut als sie es bei ihm jemals tun würde (was sehr schlau ist). Für die Katzen sorgen könnte ich nicht, mir würde es in meiner Wohnung nicht (auch noch) erlaubt werden, ein oder zwei Katzen zu halten. Aber ich weiß und kann ihr hoch und heilig versprechen, dass ich für jede von ihnen ein gutes zu Hause finden werde.

Ich bin sehr traurig gerade ohne dabei in Selbstmitleid zu versinken. Sehr traurig darüber, dass ich nicht "gut" groß geworden bin. Geschützt und mit Sicherheit. Ich wusste nie, was ich hinter der Tür vorfinden werde. Ich wusste nie, wann meine Mutter vielleicht wieder die Rotweinflaschen in meinem Schrank, in dem ich meine Spiele verstaute, horten würde, egal ob leer oder voll. Nicht, wann wieder Geschirr zerbersten würde, sich beide die Seelen aus dem Leib schreien. Oder meine Mutter kommt, mit blauen Flecken an den Armen und einem blauen Auge und sagt "Das war dein Vater". Es gibt unendlich viele Bilder, die kein Kind je gesehen haben sollte - und sie verfolgen mich. Zur Zeit mehr denn je, weil sich die Situation immer weiter zuspitzt. Es geht mir besser als früher, weil ich älter geworden bin, mehr Fähigkeiten entwickelt habe und ausgezogen bin, sobald ich 18 war. Keinen Monat nach diesem Geburtstag riss ich mir die Fingerkuppen wund, als ich mich in meiner heutigen Wohnung an der damaligen Tapete zu schaffen machte. Und letztlich, weil ich mich - zumindest ein bisschen - besser von alledem distanzieren kann.

Menschen, die nicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben, werden vermutlich nie verstehen, weshalb man sie trotzdem besucht, sie trotzdem irgendwie "liebt" und man sich trotzdem irgendwie um sie kümmert und Zeit mit ihnen verbringen will. Wie kann man hingehen zu einer Frau, die sich die Rotweinflasche über den Kopf gießt und dabei wie irre lacht oder zu einer Frau, die einem gesagt hat, dass man sich in einer Opferrolle wohl fühle. Wie kann man zu einem Mann gehen, der einem mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, als man gerade sechs Jahre alt war, mit der Begründung man habe beim Spiel geschummelt. Zu jemandem, mit dem man mit - ich glaube - 21 einen Streit anfängt, weil man sich nicht mehr anfassen und belabern lässt von einem vollgesoffenen Typen, der einem anschließend, beim Gehen, den Weg zur Tür abschneidet, einen nicht raus lässt und als man doch irgendwie raus kam, über den Laubengang nachlief und nach einem trat, sodass man der länge nach aufs Maul fiel (Tage später entpuppten sich meine Schmerzen als zwei angebrochene Rippen).

Also, wie kann man? Die Antwort ist so einfach und so traurig: Weil es die Eltern sind. Die einzigen. Man hat nur sie. Und man ist wieder und wieder der kleine Herkules, der sie auf die Schultern hievt und will, dass sie sich vertragen, der keine Angst mehr vor seinem Vater haben will, keine Angst mehr um seine Mutter. Man will immer noch, selbst mit 24, allein lebend, halbwegs auf eigenen Beinen stehend, eine verdammte Familie haben. Ich glaube, man akzeptiert das nie. Nicht vollkommen. Die Vergangenheit, die sich auf das zu Hause bezieht.

In der Therapie heißt es, dass man fast alles, was einen zu dem gemacht hat, was man heute ist (im klinischen Sinne betrachtet), nicht selbst angezettelt und verbockt hat. Dass es scheiß-unfair ist, dass darüber zu Zetern aber nicht lohnt, weil man sich allein darum kümmern muss. Richtig.

Dank meiner Kindheit, meinen Eltern, der Art und Weise wie ich groß wurde, habe ich einen sehr großen Koffer hinter mir her zu schleifen. Die meiste Zeit wiegt er mehr als ich selbst und mir tun die Arme vom permanenten Ziehen unglaublich weh. Dann mache ich Pause. Das ist schmerzhaft, aber ansonsten komme ich wieder nicht vom Fleck. Als ich zum ersten mal realisierte, dass es Situationen gab (genau zwei) in denen ich Alkohol trank nur um mir selbst damit weh zu tun, hat das etwas mit mir gemacht. Angst loderte auf, ich rührte nichts mehr an. Hatte wieder Bedenken überhaupt an einen Tropfen ran zu gehen. Das Gefühl, mir damit etwas tun zu wollen, ist heute noch ab und zu da, aber nicht so schlimm. Ich kann etwas trinken, sogar so viel, dass ich es im Körper merke, ohne dass es großartig schlimm ist. Was jedoch bleibt, ist die Unsicherheit und auch die, ja, nunmal die Angst, wenn andere betrunken sind. Das nicht, weil zufällig mal jemand unter Alkoholeinfluss ausgerastet ist, mich einschloss und verprügelte, zumindest nicht vordergründig. Sondern weil ich in einem - auch wenn ich das Wort nach Möglichkeit meide - Alkoholikerhaushalt groß wurde und irgendwann selbst potentielle Suchtprobleme entwickelte (das Hungern, die Tabletten).

Was mir neben alledem bleibt, ist weiterhin meinen Kopf erhaben zu halten, mich von meinem Freund gut behandeln lassen, glücklich mit ihm sein und an meiner beruflichen Zukunft zu basteln. Und gesund zu werden, da hinten, weit am Horizont. Weg von einem posttraumatischen Blabla und noch viel weiter weg von depressiven (scheiße ja, es ist so) Zuständen. Meine Freundinnen behalten und ab und zu realisieren, wie niedlich meine Kaninchen sind.

Und danke, dass du mich liebst und ich nicht mehr so allein bin, solltest du das hier je bis zu Ende gelesen haben. Vielleicht komme ich auch auf dich zu und werde dich bitten es zu tun. Weil du die Dinge, die hier stehen, wissen solltest. Und ich nicht glaube in absehbarer Zeit - oder überhaupt irgendwann - in der Art darüber sprechen zu können.

12.12.13 21:08, kommentieren

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tourner la page


Tourner la page. Ja. Ich bin weitestgehend draußen aus meinen alten Beziehungen, die destruktiv, selbstzerstörerisch, anstrengend und nicht gut für mich waren. Zeiten, in denen das Wort Positiv so gut wie nicht vorkam, dafür Negativ an der Tagesordnung stand.

Es macht mich traurig, wenn ich eine Freundin davon sprechen höre, wie es beziehungstechnisch bei ihr aussieht. An einigen Stellen dachte ich wieder: Ja, das kennst du auch. Von dem und dem. An anderen Stellen dachte ich: Ja, das kennst du auch. Von zu Hause, von deinem Vater.

Eigentlich verdient es niemand schlecht behandelt zu werden. Davon abgsehen steht es keinem Menschen zu darüber zu urteilen.

Vor allem aber kann ich erkennen, wie sich andere darin winden und quälen und sich aus den verschiedensten Gründen nicht befreien können oder womöglich auch nicht wollen und somit immer weiter leiden. Und das ist der Punkt, an dem mir immer wieder bewusst wird, wie gut ich es heute habe.

Es gibt keine Streitereien um Geld, Haushalt (kommt bei uns natürlich derzeit nicht in Frage, weil wir getrennt wohnen, aber wer weiß, vielleicht irgendwann) und darüber, dass schlecht geputzt ist. Undenkbar auch mit ihm eine Situation zu erleben in der ich am Wochenende total krank werde, eigentlich ein Medikament aus der Apotheke brauche und dafür angeblökt werde, dass heute nichts mit mir anzufangen sei. Genau so, wie nicht auf der Intellektuellenschiene versucht wird mich fertig zu machen. Meine Gefühle unter den Tisch gekehrt werden, ich verletztende Antworten erhalte, wenn ich mal Widerworte gebe (zum Beispiel, dass ich mich erniedrigt fühle). Ebenfalls muss ich mir nicht sagen lassen, dass man mir nicht alles an den Kopf knallen kann, was man gerne tun würde, weil ich ja dann wieder nur rum heule und das sei ja immerhin mal überhaupt nicht tragbar.

Das sind alles Dinge, die Grenzen überschreiten und wahnsinnig verletztend sind. Das wären sie für mich jedenfalls auch. Und genau das, was ich eben aufgezählt habe, hatte ich früher auch so erlebt. Ich weiß um die Mechanismen, die einen auch in einer unglücklichen und schon gescheiterten Beziehung verharren lassen. Aber das macht es nicht besser, denn am Ende kann alles Wissen der Welt im ersten Moment nicht dabei helfen, sich los zu strampeln. Aber irgendwann. Irgendwann ist man lange genug geblieben, hat genug gelitten - und steigt aus. Vielleicht braucht man zwei oder drei Versuche: Aber am Ende schafft man es. Wenn man nur will.

Das Glück muss man sich selbst zusammenschmieden. Wenn man jemanden an seiner Seite hat, der mit einem zusammen vor dem Feuer steht, dann umso glücklicher.

Und genau das habe ich. Heute werde ich nicht mehr schlecht behandelt, sondern gut. Heute bin ich mehr glücklich mit meiner Beziehung als traurig. Natürlich bin ich auch schon sehr sehr traurig gewesen, aber das hatte dann eher mit mir zu tun. Und ja, ich bin auch schon von ihm verletzt worden. Durch eine Unachtsamkeit seinerseits. Ich kämpfe heute noch damit herum, es ist immer in meinem Kopf, aber es ist nicht mehr so allumfassend und verschlingend, wie es zu dem Zeitpunkt war. Weil er mir Sicherheit gibt. Und weil ich gesehen habe, wie schrecklich Leid es ihm getan hat und wie bemüht er in der Folge daraufhin war. Er ist es so sehr Wert, dass man ihm vertraut... Und genau das will ich versuchen. 

9.12.13 20:59, kommentieren

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dancing on the borderline

 

"... Und von heute nehme ich mit, dass mein Problemverhalten wirklich noch immer ein verdammtes Problem ist, auch wenn man es augenscheinlich nicht unbedingt sieht. Was es irgendwie noch trauriger macht."

Keine weiteren Worte nötig. 

*****

Das Gespräch war nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt oder erhofft hätte, aber immerhin war es zielführend: Nächste Woche ist der Schrieb fertig und dann kann die Schmerzensgeldklage raus gehen.

"Nein, das hab ich auch überlegt, aber das kann ich nicht mit rein nehmen. Eine Essstörung hatten Sie immer schon." Was bedeutet, dass es früher auch schon so war. Ist mir schon irgendwie klar, wenn die Gegenseite einen Gutachter auf mich ansetzt und vielleicht alle Papiere zu sehen bekommt. Man könnte höchstens sagen, dass sich die Schwierigkeiten in dem Bereich nach dem Ereignis drastisch verschlechtert haben. Ihr Satz, kursiv, war trotzdem scheiße. Ich werde ihr das nächste Woche bei Gelegenheit nochmal sagen. Das kam nicht gut, auch wenn es vielleicht wirklich die Wahrheit ist. Vielleicht kann ich mal mit Stefanie darüber sprechen.

Hier kann ich jedenfalls nicht weiter darüber schreiben. Vielleicht ist das auch Vermeiden vor einer eigenen Wahrheit. Scheiß drauf, ich komm schon durch.

9.12.13 20:42, kommentieren

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Momentaufnahmen


Kribbelige (Vor-)Freude. Verschmitztes Lächeln. "Warum bist du dann überhaupt noch angezogen?!" Ein Lachen. Freitag Abend. Und später so ein breites Grinsen auf meinem Gesicht, dass ich mir mein offenes Buch vorhalten musste, weil ich mir so blöd vorkam. Ein bisschen muss ich jetzt noch darüber lächeln.

*****

Die glückliche und ruhige Gewissheit, dass es ihm genau so ging wie mir mit den Tagen. Mit den Tagen, die zu lang waren. Gott, sagtest du zu mir, du hättest nie gedacht, dass man jemanden in so kurzer Zeit so vermissen kann. Stimmt. Dachte ich bisher auch nicht. Wir liegen in deinem Bett und sehen uns einfach nur an, die Körper eng aneinander gedrängt.

*****

Dein ganzer Stolz darüber mich an deiner Hand zu führen und zu sagen: "Ja, das ist sie. Das ist meine Freundin."

Die Kommentare von anderen, die dich wieder so stolz gemacht haben. Dich so glücklich zu sehen, ist für mich wie ein Geschenk.

Der Heimweg. Du bleibst stehen, siehst mich an. Gibst mir einen langen Kuss in der Kälte unter dem dreckigen Licht einer Straßenlaterne. Erzählst mir dann davon, dass auch andere mich haben tanzen sehen. Wie sie geschaut haben, was sie gesagt haben.

Ich wusste kaum damit umzugehen... habt ihr doch im Prinzip gar nichts gesehen. Ich war traurig, von Stolz war eigentlich weit und breit nichts zu sehen. Aber bemerkenswert, dass dir auffiel, wie sehr ich mich doch vom ganzen Rest, insbesondere ihr, abgehoben habe. Das hat mich stolz gemacht... dass du mein Freund bist und du so etwas sehen kannst. Ganz egal, ob das viele andere auch gesehen haben, oder nicht. "Die meisten denken, M. kann gut tanzen... Ja, Jasmin. Und dann haben sie dich gesehen."

Und Jasmin denkt sich: Ja... War trotzdem bauernhaft. Aber das ist egal, weil ich weiß, dass ich mich nicht mit den anderen vergleichen kann und es auch nicht darf. Es war nicht schlimm. Dein glühendes Gesicht hat mich über meine Traurigkeit hinweg getröstet.

8.12.13 21:13, kommentieren

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dancing on the borderline

 

Unsicherheit. Angst. Sehnsucht. Ich bin müde, wirklich, so müde. Er fragte mich vor ein paar Tagen, als wir in meiner Küche saßen und etwas gegessen haben, ob ich mich "depressiv fühle", als ich meinte, dass ich "es so müde sei", bezogen auf die Auswirkungen der Gewaltgeschichte. Nein, antwortete ich, eigentlich nicht.

Eigentlich.

In dem Moment war es eine wahre Antwort. Die andere Wahrheit ist aber auch, dass es manchmal mittlerweile doch wieder so ist - und zwar volles Programm. Das wird mir gerade erst so richtig bewusst, weil ich mich so verdammt schlecht fühle, seit ich wieder zu Hause bin. Es war schon so viel Überwindung nötig sich überhaupt hin zu setzen und etwas aufzuschreiben.

Vielleicht fühle ich mich auch deshalb derzeit so unsicher und ängstlich in Bezug auf ihn, obwohl er mir keinerlei Grund dazu gibt. Wirklich keinen. Auf jeden Fall war es gut, dass ich es geschafft hatte heute Mittag meinen Mund aufzumachen, auch wenn wir nicht besonders lang darüber sprachen. Besonders schön war, dass er das anerkennen konnte und ihm offensichtlich klar war, dass man erst mal gehörigen Mut braucht um so etwas anzusprechen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich mich bedankt hatte dafür... Denn das war ich ihm in dem Moment: dankbar.

In diesem Sinne werde ich mich jetzt weiterhin versuchen auf die ganzen positiven Bilder vom Wochenende zu besinnen... .

8.12.13 20:47, kommentieren

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tourner la page

 

Und dann wurde ich darauf hingewiesen, dass ich seinen Namen nicht sage, wenn ich von ihm spreche. Immer dann, wenn ich theoretisch seinen Namen laut aussprechen könnte, umgehe ich es und ersetze ihn durch Pronomina (er, ihn, ihm, sein, seine, etc.) oder Kraftausdrücke.

Ich war irritiert, dachte ich doch, dass ich seinen Namen sehr oft ausspreche. Aber gut, ich lasse mir gern den Eindruck von meinem Gegenüber schildern. Und ich glaube diesen Eindruck. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Sicht der Dinge irgendwie "näher an der Wirklichkeit" dran ist, als meine.

Also achtete ich darauf, die Person bei ihrem Vornamen zu nennen. Ich merkte richtig, wie ich das nicht wollte. Ich wollte den Namen nicht hören, schon gar nicht aus meinem eigenen Mund. Mir war vorher schon aufgefallen, dass ich innerlich reagierte, sobald ich ihn nur hörte. Und aus mir heraus, das auszusprechen, fühlt sich... - in Ermangelung eines besseren Wortes - nicht gut an.

Ich WILL verdammt nochmal seinen Namen nicht mehr sagen.

Wahrscheinlich ist das nicht so förderlich, weil es irgendwie Vermeidungsverhalten ist. Und es ist... verdrängen.

Und dann fiel mir heute auf, dass ich sogar den Mailordner, den ihn betrifft, nachträglich bearbeitet hatte und mit dem Anfangsbuchstaben abkürzte.

Aber andere erwähnen ihn mir gegenüber auch nicht. Vor allem schriftlich. Meine Freundinnen... bei dreien ist es mir jetzt aufgefallen: Sie nehmen immer nur den Anfangsbuchstaben und setzten dann einen Punkt und schreiben weiter. Oder sie nehmen den Anfangsbuchstaben und setzen dann drei Punkte und schreiben weiter. Ob sie das wohl tun um mich irgendwie zu schützen?

Und wenn du... Wenn du seinen Namen laut sagst... Ich hasse es. Eigentlich hoffe ich jedes mal, dass du das umgehst. Aber du sprichst ihn aus. Immer. Bewusst. Vielleicht ist das längerfristig betrachtet auch besser, genauso wie ich es tun sollte. Aber derzeit, kurzfristig betrachtet, schadet es mir. Es ist als wurde jedes mal ein kleiner Stromstoß durch mich hindurch peitschen.

Und das steht hier in "tourner la page", weil ich doch diese Seite nun einmal umdrehen will... .

4.12.13 23:42, kommentieren

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tourner la page

 

"Und, war das jetzt so schwer?" Du lächelst mich glücklich an. "Wieso fällt es dir so schwer das zu sagen?"

 

Weil die Liebe ein Serienprodukt ist.

Weil ich niemandem vertraue. Nicht wirklich. Weil ich mich in niemandes Hände lege. Nackt, ungeschützt. Außer... .

Weil jeder davon spricht. Die Leute sagen es ständig - es wird inflationär gebraucht. Weil jeder glaubt, das zu fühlen und meistens gar keine Ahnung davon hat. Was nicht bedeutet, dass ich den Menschen da draußen ihre Gefühle absprechen will.

Weil es etwas sehr individuelles ist und sich für jeden anders anfühlt. Weil es sich für dich vielleicht anders anfühlt, als für mich. Weil was wäre wenn (Konjunktive sind manchmal auch sehr hilfreich!) du doch anders für mich empfindest als ich für dich und es in die gleichen Worte kleidest?

Es ist eine Angst, dass der eine mehr empfinden könnte als der andere. Dass man nicht auf der gleichen Höhe steht, nebeneinander. Sondern untereinander. Ich kann es nicht ertragen das Gefühl zu haben, unten zu stehen.

Davon abgesehen: Ich hatte drei nennenswerte Beziehungen in denen ich nur einmal geliebt habe. Aus vollster Überzeugung und mit meinem ganzen Herzen. Ich habe das erste mal jemand in dieser Art von zwischenmenschlicher Beziehung geliebt. Und ich bin fast verhungert daran. Ich glaube, die ominösen drei Worte gab es in fast fünf Jahren vielleicht... ja, fünf mal. Und das nicht von ihm oder von mir, sondern vielleicht sogar von uns beiden zusammen genommen. Keine Ahnung mehr. Will ich auch gar nicht mehr wissen. Diese "Liebe" war einmal und sie ist nicht mehr. Ich will sie auch nicht mehr. Sie hat mir geschadet und mich krank gemacht. Körperlich. Und seelisch.

Ich hungerte. Ich hungerte nach so vielen Dingen, die du mir heute gibst. Bedeutet das, dass du mich "mehr" liebst? Oder nur, dass deine Liebe anders ist und sie sich anders zeigt? Vielleicht ist es beides. Es haute mich um, damals... am 28. September. Und das schreckliche Geständnis nun zum immer wieder nachlesen: Ich glaubte dir nicht. Nicht, weil ich es nicht wollte. Sondern weil ich nicht konnte.

Das war der Tag, an dem ich zu den Enten fuhr. Ich weinte über mein eigenes Unvermögen.

Und ich wollte es nicht wahrhaben, ein paar Tage lang. Ich versuchte es runter zu spielen, sagte mir in Gedanken jaja, der und seine rosa Brille. Sagte mir jaja, der gehört auch bestimmt zu denjenigen, die das so inflationär benutzen.

Hat nicht geklappt. Weil ich nach einiger Zeit selbst anfing... nun, zu lieben wohl. Dich also.

Ich wollte immer geliebt werden. Ich meine, jeder Mensch will geliebt werden. Meine Eltern haben mich bestimmt geliebt oder lieben mich immer noch. Auch wenn sie eine, wenn sie es schon tun, sehr seltsame Art und Weise an den Tag legen. Meine Mutter liebt mich. Das sage ich aus vollster Überzeugung. Und meine Oma mich auch. Und ich sie beide umgekehrt. Aber mein Vater und mein Opa... Vor allem aber mein Vater: Ich höre meine Mutter heute noch in meinem Kopf mit ihrem immerwährenden "Er meint es nicht so, er liebt dich doch (trotzdem)."

Vielleicht kann ich schlecht "Ich liebe dich" sagen, selbst wenn ich es empfinde, weil ich nie das Gefühl hatte, von einem Mann geliebt zu werden. Bestimmt haben sie das getan, die drei Männer aus den nennenswerten Beziehungen... Aber ich fühte es nicht. Was sie auch sagten oder taten: Es kam nicht an mich ran. Ich fühlte mich nie geliebt. Nicht mal, wenn einer besonders nett oder aufmerksam war, mich überraschte oder etwas Süßes sagte - oder ein "Ich liebe dich" mir entgegenbrachte. Einfach nein. Nicht mal von dem, den ich so sehr liebte, dass ich mich damit selbst zerstörte, nicht mal von dem habe ich mich geliebt gefüht.

Aber von dir. Dir glaube ich es - mittlerweile. Bei dir fühle ich es. Ich spüre, dass du es tust. Denn das alles... unsere Geschichte, die schafft man nur und spinnt sie immer weiter, wenn man Liebe empfindet.

Traurig, dass ich all die vielen langen Jahre zuvor nie Liebe und Gegenliebe als Zusammenspiel hatte. Wie ich das habe aushalten können, das frage ich mich gerade. Die Antwort scheint einfach: Kannte ich doch von zu Hause auch nicht. War also nicht so schlimm.

Doch, war es. Denn im Grunde war ich immer leer. Ich lief herum mit einem Vakuum im Herzen. Niemand füllte es, nicht einmal ich selbst. Ich war einsam neben einem Mann, der unter der gleichen Decke wie ich lag, vielleicht eng aneinander geschmiegt. Er war direkt neben mir, an mir und ich fühlte... Ich fühlte entweder gar nichts oder diese überbordende "Liebe". Was ich aber immer war:

 

Einsam.

 

So sehr, dass ich mich manchmal noch heute neben dir einsam fühle. Weil ich mein Herz nicht gefüllt bekomme oder es nicht zulassen kann, was auch immer. Bei dir habe ich jedoch nicht das Gefühl, dass du weit weg bist oder ich weit weg bin. Du bist bei mir, du bist in mir, wenn wir beieinander sind. Ich spüre dich, ich fühle dich.

Und vielleicht... Vielleicht weil ich dich spüre, weil ich deine Liebe zu mir fühle, vielleicht habe ich deshalb auch irgendwann begonnen dich zu lieben. Weil du mir die Hoffnung gibst, dass alles anders werden kann. Und bitte, bitte nimm sie mir nicht wieder weg.

3.12.13 00:29, kommentieren

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