tourner la page

 

"Und, war das jetzt so schwer?" Du lächelst mich glücklich an. "Wieso fällt es dir so schwer das zu sagen?"

 

Weil die Liebe ein Serienprodukt ist.

Weil ich niemandem vertraue. Nicht wirklich. Weil ich mich in niemandes Hände lege. Nackt, ungeschützt. Außer... .

Weil jeder davon spricht. Die Leute sagen es ständig - es wird inflationär gebraucht. Weil jeder glaubt, das zu fühlen und meistens gar keine Ahnung davon hat. Was nicht bedeutet, dass ich den Menschen da draußen ihre Gefühle absprechen will.

Weil es etwas sehr individuelles ist und sich für jeden anders anfühlt. Weil es sich für dich vielleicht anders anfühlt, als für mich. Weil was wäre wenn (Konjunktive sind manchmal auch sehr hilfreich!) du doch anders für mich empfindest als ich für dich und es in die gleichen Worte kleidest?

Es ist eine Angst, dass der eine mehr empfinden könnte als der andere. Dass man nicht auf der gleichen Höhe steht, nebeneinander. Sondern untereinander. Ich kann es nicht ertragen das Gefühl zu haben, unten zu stehen.

Davon abgesehen: Ich hatte drei nennenswerte Beziehungen in denen ich nur einmal geliebt habe. Aus vollster Überzeugung und mit meinem ganzen Herzen. Ich habe das erste mal jemand in dieser Art von zwischenmenschlicher Beziehung geliebt. Und ich bin fast verhungert daran. Ich glaube, die ominösen drei Worte gab es in fast fünf Jahren vielleicht... ja, fünf mal. Und das nicht von ihm oder von mir, sondern vielleicht sogar von uns beiden zusammen genommen. Keine Ahnung mehr. Will ich auch gar nicht mehr wissen. Diese "Liebe" war einmal und sie ist nicht mehr. Ich will sie auch nicht mehr. Sie hat mir geschadet und mich krank gemacht. Körperlich. Und seelisch.

Ich hungerte. Ich hungerte nach so vielen Dingen, die du mir heute gibst. Bedeutet das, dass du mich "mehr" liebst? Oder nur, dass deine Liebe anders ist und sie sich anders zeigt? Vielleicht ist es beides. Es haute mich um, damals... am 28. September. Und das schreckliche Geständnis nun zum immer wieder nachlesen: Ich glaubte dir nicht. Nicht, weil ich es nicht wollte. Sondern weil ich nicht konnte.

Das war der Tag, an dem ich zu den Enten fuhr. Ich weinte über mein eigenes Unvermögen.

Und ich wollte es nicht wahrhaben, ein paar Tage lang. Ich versuchte es runter zu spielen, sagte mir in Gedanken jaja, der und seine rosa Brille. Sagte mir jaja, der gehört auch bestimmt zu denjenigen, die das so inflationär benutzen.

Hat nicht geklappt. Weil ich nach einiger Zeit selbst anfing... nun, zu lieben wohl. Dich also.

Ich wollte immer geliebt werden. Ich meine, jeder Mensch will geliebt werden. Meine Eltern haben mich bestimmt geliebt oder lieben mich immer noch. Auch wenn sie eine, wenn sie es schon tun, sehr seltsame Art und Weise an den Tag legen. Meine Mutter liebt mich. Das sage ich aus vollster Überzeugung. Und meine Oma mich auch. Und ich sie beide umgekehrt. Aber mein Vater und mein Opa... Vor allem aber mein Vater: Ich höre meine Mutter heute noch in meinem Kopf mit ihrem immerwährenden "Er meint es nicht so, er liebt dich doch (trotzdem)."

Vielleicht kann ich schlecht "Ich liebe dich" sagen, selbst wenn ich es empfinde, weil ich nie das Gefühl hatte, von einem Mann geliebt zu werden. Bestimmt haben sie das getan, die drei Männer aus den nennenswerten Beziehungen... Aber ich fühte es nicht. Was sie auch sagten oder taten: Es kam nicht an mich ran. Ich fühlte mich nie geliebt. Nicht mal, wenn einer besonders nett oder aufmerksam war, mich überraschte oder etwas Süßes sagte - oder ein "Ich liebe dich" mir entgegenbrachte. Einfach nein. Nicht mal von dem, den ich so sehr liebte, dass ich mich damit selbst zerstörte, nicht mal von dem habe ich mich geliebt gefüht.

Aber von dir. Dir glaube ich es - mittlerweile. Bei dir fühle ich es. Ich spüre, dass du es tust. Denn das alles... unsere Geschichte, die schafft man nur und spinnt sie immer weiter, wenn man Liebe empfindet.

Traurig, dass ich all die vielen langen Jahre zuvor nie Liebe und Gegenliebe als Zusammenspiel hatte. Wie ich das habe aushalten können, das frage ich mich gerade. Die Antwort scheint einfach: Kannte ich doch von zu Hause auch nicht. War also nicht so schlimm.

Doch, war es. Denn im Grunde war ich immer leer. Ich lief herum mit einem Vakuum im Herzen. Niemand füllte es, nicht einmal ich selbst. Ich war einsam neben einem Mann, der unter der gleichen Decke wie ich lag, vielleicht eng aneinander geschmiegt. Er war direkt neben mir, an mir und ich fühlte... Ich fühlte entweder gar nichts oder diese überbordende "Liebe". Was ich aber immer war:

 

Einsam.

 

So sehr, dass ich mich manchmal noch heute neben dir einsam fühle. Weil ich mein Herz nicht gefüllt bekomme oder es nicht zulassen kann, was auch immer. Bei dir habe ich jedoch nicht das Gefühl, dass du weit weg bist oder ich weit weg bin. Du bist bei mir, du bist in mir, wenn wir beieinander sind. Ich spüre dich, ich fühle dich.

Und vielleicht... Vielleicht weil ich dich spüre, weil ich deine Liebe zu mir fühle, vielleicht habe ich deshalb auch irgendwann begonnen dich zu lieben. Weil du mir die Hoffnung gibst, dass alles anders werden kann. Und bitte, bitte nimm sie mir nicht wieder weg.

3.12.13 00:29

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